Mittwoch, 9. November 2011

4 Tage auf dem Inka-Trail nach Machu Picchu

Am 4. November war es endlich so weit: Das Hauptziel meiner Reise, das Abenteuer Inkatrail begann um 6 Uhr früh. Bis wir dann endlich bei Kilometer 82 (= Entfernung von Cusco) starten konnten, sollten noch 5 Stunden mit Warten, Busfahren, Frühstücken, Warten usw. vergehen. Meine Gruppe war von 6 auf 4 Teilnehmer geschrumpft, 3 sportliche junge Männer aus England und Australien und ich als einzige Frau und älteste Teilnehmerin. Da hatte ich schon ein wenig Bedenken, nicht wegen der Männer, aber wegen des Gehtempos.
Langstreckenläufer, Tennisprofi, Kilimandscharo-Bezwinger - und armes Würstchen mit dabei!
Aber im Nachhinein kann ich sagen, ich hab mich tapfer geschlagen, war immer mit dabei, auch wenn zwei von ihnen mir auf steilen Bergstücken, v.a. in großer Höhe, schon 15-20 Minuten abnahmen und meine Pausen dadurch etwas kürzer ausfielen. Wir waren eine der schnellsten Gruppen, schafften alle Etappen (teils weit) unter der angegebenen Zeit und die Burschen waren richtig stolz, dass wir alle unser ganzes Gepäck selber trugen und keine Wanderstöcke benutzten, wie die meisten anderen. Irgendwie stand das für mich dann gar nicht zur Debatte, mein Gepäck einem Träger zu übergeben, obwohl es vorher so schien, als ob alle das machen würden. Die Träger waren für Essen und Campingausrüstung zuständig und ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, einen Teil meiner Ausrüstung abzugeben. Beim Aufstieg auf die Pässe haben sich die 10-12kg (je nach Wasservorräten) schon angehängt, aber geschadet hat´s mir nicht. Ich fühl mich so fit wie schon lange nicht mehr. Außerdem habe ich sicher einiges an Muskelmasse auf- und Fettreserven abgebaut. Als ich am Weg dann die anderen Gruppen beobachtete, war ich heilfroh, nicht in so einer Großgruppe mit den typischen deutsch-österreichischen Touristen gelandet zu sein.
Das Wetter meinte es wirklich gut mit uns, es regnete nur einmal nachts und der Nebel, der uns in Machu Picchu empfing, löste sich Gott sei Dank bald auf.





Die Tagesetappen sahen folgendermaßen aus:
1.   1.Tag:  8km, Campen auf 3000m Höhe in Wayllabamba
2.     2. Tag: 10km, über einen Pass in 4200m Höhe, schlafen auf 3600m
3.     3. Tag: 14km, über Pass auf 3900m Höhe, schlafen auf 2650m
4.     4. Tag:   6km bis Machu Picchu (Tagwache 3.40 Uhr)

Der erste Tag war ein Klacks. Wir gingen nur eine Stunde vor und zwei Stunden nach dem Mittagessen, dabei waren 5 Stunden angegeben. Mittags mussten wir lange auf unsere Träger warten, bis es endlich Lunch (Suppe, Spagetti) gab. Dabei stellte sich heraus, dass Stangen des Kochzeltes fehlten, aber zum Glück war schönes Wetter und bis zum nächsten Tag hatten sie aus Bambusstöcken Ersatzteile gezaubert.
Das Essen war jeden Tag sehr gut und ausgiebig.Die reichhaltigen Suppen taten besonders bei der abendlichen Kälte gut. Um 17 Uhr war Tea-Time mit frischem Pop-Corn und Keksen und eine Stunde später Abendessen. Danach wurden wir immer recht schnell in die Zelte geschickt, sodass zwischen 19 und 20 Uhr Bettruhe herrschte. Aber wir waren eh müde genug und wurden um 5.30 Uhr mit einer Tasse Coca-Tee wieder geweckt. Das Zähneputzen mit Quellwasser inmitten der Bergwelt war recht erfrischend, auf weitere Körperhygiene wurde meist auf Grund der Kälte und mangelnder Sanitäreinrichtungen verzichtet.






Die beiden folgenden Tage waren die härtesten. Am 2. Tag kletterten wir tausende hohe, steile Stufen auf 4200m hinauf, dabei wurde mir schon manchmal die Luft knapp und ich schaffte nur mehr 2 Schritte pro Atemzug. Da waren mir die zwei Kilimandscharo-Erfahrenen schon ca. 20 Minuten voraus. Oben war es sehr kalt und wir hielten uns nicht zu lange auf. Danach ging es ebenso steile Stufen wieder bergab ins nächste Tal, wo wir bereits um 12 Uhr im Camp Paqaymayu eintrafen. Wir hatten die 7-Stunden-Etappe wieder in 5 Stunden, 15 Minuten geschafft. Noch erhitzt vom Gehen und bei einigermaßen erträglichen Außentemperaturen wagten wir eine Dusche mit Gebirgswasser, knapp über dem Gefrierpunkt. 
Die Nacht war trotz Regens nicht so kalt wie befürchtet, denn mein gemieteter Daunenschlafsack und die 4 Lagen Kleidung wärmten mich bestens.




Auch am 3. Tag wechselte Sonnenschein ständig mit Wolken, doch beim Gehen wurde uns ohnehin warm. Wir stiegen wieder steil bergauf zum Kurakay-Pass (3900m) und besichtigten am Weg einige Inka-Ruinen. Nach insgesamt 3,5h war Lunchtime und am Nachmittag marschierten wir nochmals 4 Stunden inkl. Besichtigungspausen. Ein weiterer Pass von 3650m war zu überqueren, von dort konnten wir den ersten Blick auf Maccu Picchu Mountain werfen.  Weite Teile des Weges ging ich an diesem Tag ganz alleine mit mir und der Natur und das waren die schönsten Stücke. Die Landschaft wandelte sich und es begann die Vegetation des Nebelwaldes. Durch 2 Tunnels und über die Terrassen von Intipata ging es zum Camp Winaywayna, welches wir gegen 16.30 Uhr erreichten.








Am 4. Tag wurden wir schon um 3.40 Uhr geweckt, weil die Träger den 5.20 Uhr-Zug erreichen mussten. Sonst hätten sie bis zum Abend keinen mehr. Für uns hieß das, eine Stunde im Dunkeln und in der Kälte stehen und auf die Öffnung des Checkpoints um 5.30 Uhr warten. Warum da kein besseres Timing möglich ist, weiß keiner. Bis dahin legte sich dichter Nebel ins Tal und als sie endlich öffneten, begann ein Wettlauf der Gruppen im Gänsemarsch bis zum Sonnentor (nicht lustig!), das wir nach einer Stunde erreichten und genau nichts sahen als eine dichte weiße Nebelwand. Wir verließen diesen überlaufenen Platz schnell und erreichten nach einer halben Stunde Machu Picchu, noch immer im Nebel. 



Gott sei Dank löste sich der Nebel dann aber bald auf und eröffnete uns atemberaubende Blicke auf diese in die Berge gebettete heilige Stätte der Inkas. Machu Picchu ist die einzige Inka-Stadt, die von den Spaniern nie entdeckt und daher auch nicht zerstört wurde. Man sieht Tempelreste, Wohnanlagen, ein Observatorium und auch landwirtschaftliche Flächen. Bei einer Führung haben wir viel über die Stadt und die Kultur der Inkas erfahren, dann konnten wir den Rest des Tages allein alles erkunden.






Ich wanderte mit zwei Jungs von unserer Gruppe noch einmal zum Sonnentor hinauf, um den Blick auf Machu Picchu bei klarem Wetter und ohne Massenansturm zu genießen. Am Abend brachte mich der Machu Picchu-Sonderzug im Schneckentempo (4 Stunden für 90km, und das mit nur einem kurzen Stopp!) wieder zurück bis fast nach Cusco. Für den letzten Teil hatte ich ein Taxi.



Freitag, 4. November 2011

Cuzco

Cuzco ist eine schöne Stadt, auf Inkaruinen erbaut, aber kälter und teurer als alle anderen, die ich bisher in Peru gesehen habe. Das Wetter ist eher wechselhaft, so wie in Quito - mal Sonne und warm, dann gleich wieder Wolken und kalt, dazwischen auch Nieselregen. Gestern traf ich beim Stadtbummel ganz zufällig meine spanische Freundin wieder, die gerade aus Puno angekommen war. Sie geht einen Tag nach mir auf den Inka-Trail. Wir gingen am Abend gemeinsam essen und dann tanzen, wer weiß, wann wir wieder dazu kommen. Es waren überraschenderweise für einen Wochentag viele Einheimische in der Disco und es wurde viel zu südamerikanischer Musik getanzt.







Es ist der Beginn der Regenzeit und ich hoffe, dass ich auf dem Inkatrail nicht allzu nass werde. Morgen früh startet meine 4-Tage/3Nächte-Wanderung mit Camping zwischen 2700 und 3600m Höhe nach Machu Picchu. Gott sei Dank konnte ich einen dicken Schlafsack mieten. Melde mich dann wieder nächste Woche, wenn ich nicht erfroren bin ;-)

Mittwoch, 2. November 2011

Colca Canyon Trekking-Tour

Den 30. und 31. Oktober verbrachte ich inmitten der Anden.

Nach 2 Stunden schlechten Schlafs stand ich um 2.45 Uhr auf, da Abholzeit zwischen 3h und 3.30 angesetzt war. Abgeholt wurde ich um 3.50 Uhr, als ich schon ziemlich sauer war. Im Bus konnte ich noch ein wenig dösen, aber Schlaf war das auch keiner. Um 8 Uhr gab es Frühstück in Chivay, wo auch die asphaltierte Straße endete. Es ging weiter in einer Holperfahrt und Staubwolken, durch einen stockfinsteren Tunnel bis zum Cruz del Condor, dem berühmten Aussichtspunkt. Dort wimmelte es von hunderten Touristen, die Landschaft ist atemberaubend, der Rummel weniger. Wir sahen aber wenigstens einen Kondor.



Vor Cabanaconde wurden wir auf ca. 3300m Höhe ausgeladen und begannen mit der Wanderung in den Canyon. Ein staubiger, schmaler, steiler Weg nach unten. Die Dörfer dort sind nur zu Fuß oder per Esel und Maultier zu erreichen. Kein Fahrzeug ist je dort runter gekommen. Die Gruppe zerteilte sich bald und ich schaute, dass ich weiter vorne blieb, um nicht dauernd den Staub der anderen zu schlucken. Als Älteste der Gruppe konnte ich locker mithalten und war mit den Ersten unten beim Fluss, wo wir eine halbe Stunde die Füße ins eisige Wasser hängen konnten, bis alle da waren. Wir hatten immerhin über 1000 Höhenmeter hinter uns gebracht. Über eine große Hängebrücke ging es auf die andere Seite des Canyons und nach einer steilen Kletterei eben eine halbe Stunde bis zum Mittagessen, das wir in einer sehr einfachen Gaststätte bekamen. Wir aßen zwischen Hühnern und Katzen und es schmeckte ausgezeichnet: Gemüsesuppe, Gemüseomelette, Reis, Avocado – alles garantiert biologisch! An die Toilette möchte ich mich lieber nicht erinnern.






Dann ging es weitere 3 Stunden einen langen, anstrengenden Marsch bis zur Oase, wo wir übernachten sollten. Die Gruppe zerstreute sich wieder auf dem ersten, sehr steilen Hang und ich ging mit einem Paar aus England weiter. Wir passierten zwei urige Dörfer, das eine mit einer sehr einfachen, für mich wunderschönen Kirche und einem blumengeschmückten Hauptplatz. Außer Hunden, Schafen und Eseln sahen wir nicht viel Leben, die Menschen hielten Siesta. Der weitere Weg führte an einer verlassenen, ausgetrockneten Landwirtschaftsfläche vorbei wieder steil hinunter in den Canyon, wo wir todmüde und mit wackeligen Beinen gegen 17 Uhr die Oase erreichten.




Geschlafen wurde in einfachsten Hütten mit Lehmboden. Die Betten bestanden aus mit Kreuzbünden zusammengebundenen Bambus-Stämmen und hatten schön warme Decken, sodass wir in der Nacht trotz der Kälte nicht froren.
Am kalten Abend wärmten mich mein neuer Alpaca-Pullover und eine Tasse Coca-Tee. Schmeckt gut und soll gegen die Höhenkrankheit helfen. Nach einem hausgemachten Abendessen und Tee aus frischem Lemongrass fielen wir todmüde um.
Wir brachen im Morgengrauen wieder auf und kletterten 3 Stunden lang extrem steil die andere Seite des Canyons wieder hinauf. Der Sonnenaufgang in den Anden ist ein wunderschöner Anblick! Später sahen wir einen Kondor kreisen und das war viel eindrucksvoller inmitten dieser gigantischen Bergwelt als am überlaufenen Aussichtspunkt.




Nachdem der Aufstieg geschafft war, marschierten wir nach Cabanaconde zum Frühstück und zur Morgentoilette. Von dort holte uns der Bus um 10 Uhr ab und brachte uns zu weiteren schönen Plätzen mit toller Aussicht im Colca-Tal. 


In der Nähe von Chivay besuchten wir eine Stunde lang die Thermalquellen und ich entspannte meine geschundenen Muskeln im 39° warmen Wasser. Es roch irgendwie nach Schwefel, wie in Baden, oder waren das nur unsere Socken? Leider bekam ich danach ziemliche Kopfschmerzen (wahrscheinlich wegen des warmen Wassers oder der Höhe), die mir den Appetit auf das Mittagsbuffet verdarben.




Nach einigen Besichtigungs-Stopps kamen wir nach 18 Uhr nach Arequipa zurück und ich war dann leider zu erledigt, um noch an einer der vielen Halloween-Partys teilzunehmen.





Dienstag, 1. November 2011

Arequipa

In Nasca hatte ich eine Spaniern aus Bilbao kennengelernt, mit der ich einige Tage in Arequipa verbrachte. Die Stadt ist wirklich sehenswert, prunkvolle Kolonialkirchen, wunderschöne Innenhöfe und ein herrlicher Hauptplatz, von dem ich 30m entfernt in einem netten Hotel wohne.




Das Kloster Santa Catalina ist eine kleine Stadt in der Stadt und ich hatte eine sehr interessante Führung.





Und Nachtleben gibt´s natürlich auch:


Unterbrochen wurde mein Arequipa-Aufenthalt durch eine zweitägige Trekking-Tour in den Colca-Canyon, von der ich in einem eigenen Post berichten möchte, sobald ich wieder Zeit habe. Jetzt muss ich meinen letzten Tag in der Stadt genießen, da ich am Abend mit dem Nachtbus nach Cuzco weiterfahre.

Flug über die Nasca-Linien

Gerade rechtzeitig vor einem Erdbeben der Stärke 6,9 verließ ich Ica und fuhr nach Nasca, wo ich mit einer Cessna 30 Minuten über die geheimnisvollen Nasca-Linien flog. Die Scharrbilder stammen aus einer sehr alten Kultur und sind so groß, dass man sie nur vom Flugzeug aus erkennen kann, sonst hätte ich meinem Magen diese Tortur sicher nicht angetan. Aber ich hab´s überlebt und alle Bilder gesehen. Wirklich erstaunlich, wie die das damals wohl gemacht haben!?

                                                                                          der Kondor

                                                        die Hände und der Baum

Sanddünen von Huacachina

Als ich abends in der Oase Huacachina ankam, quartierte ich mich in einer sehr einfachen Herberge ein und ging noch schnell ins Restaurant abendessen. Dort sprach mich ein Peruaner aus der Küche an und wir plauderten eine Weile. Bald kamen wir aufs Sandboarding und es stellte sich heraus, dass er einer der Boarder vom Cerro Blanco war, die ich in der ARD-Doku gesehen hatte. Schließlich gingen wir noch in eine Bar, wo sich schnell eine Party entwickelte mit Tanz und Lagerfeuer. 







Es wurde spät und ich weiß jetzt, wie viele Pisco Sour ich nicht vertrage. Die Tour durch die Weingüter, die ich am nächsten Morgen gebucht hatte, konnte ich nicht so richtig genießen.







Am Nachmittag war ich wieder fit und bereit für das nächste Abenteuer, die Sandboarding-Tour in den Dünen. Mit dem Buggy ging es in einer verrückten Fahrt, wie Achterbahn, kreuz und quer durch die Wüste, bis wir schließlich auf einigen Dünen auf die Boards kamen.








Vom Sandboarden war ich eher enttäuscht: langsam, schwer zu drehen und wenn man nicht alle 100m wachste, blieb man mitten am Berg kleben. Die letzte Düne war die beste, da hatte ich frisch gewachst und es war steil und lang genug für ein paar Schwünge. Die zwei Schweizerinnen mit richtigen Boards waren auch nicht glücklich damit. Alle anderen fuhren großteils am Bauch runter, einige mit rasender Geschwindigkeit und einen Zusammenstoß mit einer Verletzten gab es auch. 







Zum Schluss musste noch ein Buggy angeschoben und über eine Düne runtergeschubst werden, damit er wieder ansprang, unserer blieb auf der Kante einer Düne stecken, aber der Fahrer konnte ihn wieder ausgraben. Auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis.



                                                     Oase Huacachina

Lima

Nachdem ich mein Gepäck um 2,5 kg erleichert hatte, indem ich ein Paket in die Heimat schickte, kaufte ich noch einige wichtige Dinge für die Reise ein, die ich in kleineren Städten vielleicht nicht bekomme und übersiedelte dann nach Miraflores, ein neueres Viertel nahe am Meer. Limas Küste ist sehr steil und das Meer liegt fast unerreichbar 100m unter der Stadt.


Ich fand schließlich doch den einzigen Fußweg hinunter, um wenigstens mal die Hand ins Wasser zu halten. Außer für die Wellenreiter ist der Strand aber nicht wirklich interessant.



 Morgens lief ich eine halbe Stunde oben an den Klippen entlang, wo auch viele andere Läufer und Walker unterwegs waren. Ansonsten hat mich dieses Viertel eher enttäuscht. Außer einer Einkaufsstraße und netten Parkanlagen nichts wirklich Sehenswertes. Ich besorgte mir ein Ticket nach Ica, um in der nahen Oase Huacachina das Sandboarden zu versuchen.