Samstag, 8. Oktober 2011

Fünf Tage im Dschungel des Oriente

Letzten Sonntag habe ich mit einer Japanerin noch einen Ausflug zum Äquator (La Mitad del Mundo, ca. 25 km nördlich von Quito) gemacht. Es ist ganz lustig, mit einem Fuß auf der Nordhalbkugel und mit einem auf der Südhalbkugel zu stehen. Außerdem gibt es ein sehr interessantes Museum, wo unter anderem auch Versuche gezeigt werden, die die besonderen Verhältnisse am Äquator veranschaulichen (Sonnenstände,  Erdanziehung,... Wasser, das im Norden gegen den Uhrzeigersinn abläuft und im Süden umgekehrt)




Die darauffolgende Nacht verbrachte ich im Bus nach Coca. Von dort ging es ca. 45 Minuten mit dem Motorkanu am Rio Napo zur Yarina-Lodge, die wunderschön mitten im Regenwald des Amazonas-Tieflandes liegt. Zuerst fassten wir Gummistiefel aus, ohne die geht hier gar nichts. Oft marschierten wir durch Sümpfe und Wassergräben, an Baumstämmen und Lianen klammernd, und wenn man nicht aufpasste, versank man bis über die Knie im Sumpf. Ich schaffte es natürlich auch einmal und am letzten Tag verlor ich das Gleichgewicht und landete mit dem Hinterteil im Wasser und Dreck.







Wir waren eine kleine, buntgemischte Gruppe aus sieben Sprachschülern und 4 ecuadorianischen Lehrern, wobei ich einen Lehrer ganz für mich allein hatte. Das war ein großer Vorteil, denn ich konnte meine Stunden sehr flexibel in Anspruch nehmen. Ich lernte den Regenwald auch von seiner wörtlichen Seite kennen. Es gab fast täglich ordentliche Gewitter mit schweren Regengüssen, die mehrere Stunden anhielten und für ein entsprechend schwüles Klima sorgten. Denn kurz nach dem Regen wird es wieder unglaublich heiß. Trotzdem habe ich keinen einzigen Mückenstich, aber dafür eine halbe Flasche "No-Bite" verbraucht. Ein Geheimtipp meiner Gastgeberin ist auch nicht schlecht: Babyöl mögen die Mosquitos auch nicht. Das habe ich fürs Gesicht verwendet. Während des Regens hatte ich meine Spanisch-Lektionen und den Rest der Zeit verbrachte ich mit Dschungel-Exkursionen, für die Hängematte blieb da nicht viel Zeit, und um 18.30 Uhr wird es schon dunkel. Strom gab es nur von 18-22 Uhr. Oft fuhren wir mit den kleinen Kanus aus, die kleinen Flussläufe entlang oder zu einer Lagune. Einmal besuchten wir eine Indio-Familie in ihrer einfachen Hütte und übten uns im Blasrohr-Schießen. Darin bin ich ganz geschickt, wie ich feststellen konnte, traf gleich zweimal genau die Mitte.










Wir sahen Baumgiganten, Pflanzen, die man bei uns nur aus der Gärtnerei kennt und viele exotische Tiere (Insekten, Vögel, Frösche, eine kleine Giftschlange) und Taranteln, die mitten in der Lodge leben. Eine nistete im Bananenbund, der zur freien Entnahme am Eingang hing und eine lebte im Dach und ließ sich immer mal wieder blicken. Wenn sie sich nicht bedroht fühlen, sind sie ganz harmlos und krabbeln  auf dir herum.








Sonntag, 2. Oktober 2011

Quito - Centro Historico

Heute habe ich die Altstadt erkundet, nach meinem Geschmack und in meinem Tempo. Untertags kann man das auch allein machen, nachts tritt man besser nur in Gruppen auf. Wenn man auf seine Sachen aufpasst und nicht leichtsinnig all seine Schätze zur Schau stellt, ist es nicht so gefährlich, wie oft erzählt wird. In die Parks, von denen es hier viele und große gibt, sollte man nach 17 Uhr nicht mehr gehen, da sie dann von Obdachlosen "bewohnt" werden. Ich weiß nicht, wie schlimm es ist, ich habs lieber nicht probiert...
In der Altstadt fühlt man sich in die Kolonialzeit zurückversetzt. Die Spanier haben sich hier ganz schön ausgetobt. Nicht umsonst wird Quito das "Kloster Südamerikas" genannt, wohin man schaut, Kirchen. Und eine glanzvoller als die andere.




Der Regierungspalast kann mit Führer auch innen besichtigt werden, ich musste aber ziemlich lange warten und holte mir dabei einen kleinen Sonnenbrand. Das Wetter wechselt ständig und man muss vom leichten Shirt bis zur warmen Weste immer alles dabei haben. In Quito habe ich am Donnerstag sogar meine Regenjacke zum ersten Mal seit meiner Abreise aus Österreich gebraucht.





Zum Schluss bin ich dann noch auf den Turm der Basilika gestiegen, was eine ziemliche Kletterei ist, aber man hat eine tolle Aussicht auf die Stadt. Zur Belohnung gabs dann einen Cappuccino in der Turm-Cafeteria :-)


Samstag, 1. Oktober 2011

Ecuador: Spanisch und Salsa in Quito

Sonntag abends Quito angekommen, wurde ich bei einer sehr netten Familie einquartiert. Die Kinder (im Alter von meinen) sind auch Pfadfinder und die Eltern haben unter der Wohnung ein kleines, einfaches Restaurant, wo ich mein mein Mittagessen bekomme. Ansonsten wird im Familienkreis gegessen. Ein Schweizer Sprachschüler wohnt auch hier. Am Montag begann für mich eine sehr intensive Woche. Vormittags täglich vier Einzelstunden Spanisch in der Sprachschule, die nur zwei Gehminuten von meinem Domizil entfernt liegt und nachmittags zwei Stunden Salsa-Unterricht, ebenfalls mit Privatlehrer. Dazwischen habe ich in den ersten Tagen nur geschlafen, denn die Höhe (Quito liegt auf 2850 m) hat mir ganz schön zu schaffen gemacht. Nächtliche Kopfschmerzen und dauernde Müdigkeit, das war lästig. Nach drei Tagen war ich dann erstmals fähig, nach der Schule ein wenig die Stadt zu erkunden.

Botanischer Garten:

La Mariscal (Touristenviertel):


Am Donnerstagabend war ich mit einer Gruppe Sprachschülern aus der Schule in der Altstadt essen und dann im Vergnügungsviertel in der Disco und einer Bar. Wenn man dort kein Bier trinkt, hat man nur Wasser als Alternative :-(  Aber sonst war es ganz in Ordnung. Das Lustige ist, dass die einzige Sprache, die alle gemeinsam haben, Spanisch ist und das geht noch nicht so toll, weil wir ja erst beim Lernen sind. Also gab es einen Mix aus Spanisch, Englisch, Deutsch und Japanisch. Ein Ehepaar aus Graz war auch mit dabei, weiters Schweiz, Japan, Belgien und USA.
Quito ist einerseits sehr modern, es gibt einen riesigen Supermarkt, in dem man (fast) alles bekommt, so wie unser Metro-Markt. Außerdem eine topmoderne Shopping-Mall mit lauter Markengeschäften und große Banken. Daneben sieht man aber bettelarme Indios mit ihren Straßenkarren und 4-5jährige Kinder, die nachts in Bars Zuckerln und Rosen anbieten. Die Polizei ist anscheinend so mit der Verhinderung von Raub und Diebstahl beschäftigt, dass sie über sowas hinwegsehen. Auch wenn Taxis (mit uns drin) bei rot über die Kreuzung fahren oder wie Formel I-Autos durch die Straßen gasen, stört das keinen.
Heute war mein letzter Schultag in Quito. Am Nachmittag hab ich noch mit einem Kaiserschmarren zum internationalen Koch-Festl beigetragen. Nach dem Essen wurde Musik aufgedreht und schon tanzten alle. Am Abend hab ich dann auch gleich, weil ich schon so drin war, meine Familie bekocht.




Am Wochenende werde ich die Altstadt bei Tag besichtigen und mit einer Japanerin zur "Mitte der Welt" (Museum "Mitad del Mundo" direkt am Äquator) fahren. Und am Sonntagabend geht es dann in einer Nachtfahrt mit dem Bus nach Osten zu einer Dschungel-Lodge, wo ich die nächste Woche abgeschnitten von der Umwelt mit Spanischstunden und Regenwald-Touren verbringen werde.

Sonntag, 25. September 2011

Valparaiso - ein schöner Ausflug mit schaurigem Ende

Der Jetlag holte mich bereits kurz nach fünf aus den Federn und so brach ich gleich nach dem Frühstück zu einem Ausflug ans Meer auf: Metro zum TurBus-Terminal und fast 2 Stunden bequeme Busfahrt (hab dabei Schlaf nachgeholt) nach Valparaiso. Dort buchte ich eine Tour durch Vina del Mar und Valparaiso und das war das Beste, was ich machen konnte, da ich ja nur einen Tag Zeit hatte. Die angekündigte 5-Stunden-Rundfahrt dauerte dann 7 Stunden, war aber sehr abwechslungsreich und schön.
Vina del Mar ist eine wunderschöne alte Garten-Stadt, die leider durch hässliche hohe Betonburgen verschandelt wurde. Aber man sieht noch alte Häuser, Paläste und schöne Parks. Dort blühen gerade die Kastanienbäume.








Nach einer Mittagspause am Strand ging´s zum Haus von Pablo Neruda und später weiter nach Valparaiso.





In Valparaiso war am eindrucksvollsten die Altstadt mit ihren alten, bunten Häusern, die auf etlichen Hügeln mit Blick zum Meer liegen. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf den Containerhafen, der sehr malerisch und bunt unten in der Bucht liegt.





Die Rückfahrt nach Santiago verschlief ich wieder, aber dann wurde es spannend. Ich kam auf dem sehr finsteren Terminal an und merkte bald, dass es sich um einen Stromausfall handelte. Da auch der Eingang zur Metro gesperrt war, machte ich mich auf die Suche nach Alternativen. Plötzlich ging komplett das Licht aus und ich stand mitten in der Passage im Stockdunkel. Etwas mulmig wurde mir schon, aber mit dem Rucksack fest unter dem Arm und den Wertsachen unter dem T-Shirt suchte ich eine Gruppe Menschen auf, die sich bei einer Verkäuferin mit Taschenlampe versammelt hatten. Als das Licht zweimal nur kurz wieder da war und dann wieder alles finster, gab ich die Hoffnung auf, noch eine U-Bahn zu bekommen. Außerdem wollte ich nicht unbedingt ohne Strom im Schacht stecken. Taxis waren natürlich nicht zu bekommen, denn auf den Straßen herrschte ein ziemliches Chaos. Also fragte ich jeden Bus, der anhielt, ob er zu meiner U-Bahnstation fuhr und hatte bald Glück. Gleich nach der Haltestelle gab es einen Crash, aber der Bus fuhr weiter. Wir kamen aber nur bis zur nächsten Haltestelle, denn dort hatte uns der Fahrer des beschädigten Wagens eingeholt und regte sich natürlich furchtbar auf. Es kam fast zu einer Schlägerei und ich ging schon in Deckung in Erwartung eines Schusswechsels. Schließlich mussten sowieso alle aussteigen und die Suche nach einem passenden Bus begann von Neuem. Ich fuhr wieder schwarz, denn ich hatte keine Ahnung, wie man zu einem Ticket kommt, außerdem schien es bei dem Chaos eh egal zu sein. Dank meiner gestrigen Stadterkundung fand ich sogar die richtige Ausstiegsstelle und trotz totaler Finsternis den Weg zum Hotel. Obwohl ich eigentlich vor Einbruch der Dunkelheit (gegen 19 Uhr) zurück sein wollte, war recht froh, als ich um 21.45 Uhr endlich im Zimmer war und noch alles bei mir hatte. Eine halbe Stunde später war dann auch der Strom wieder da.

Santiago

Der Flug von Australien über Neuseeland nach Südamerika brachte mir einen Freitag, der 39 Stunden lang war. Ich überflog die Datumsgrenze und frühstückte Freitag zweimal im Abstand von 15 Stunden. Auf dem langen Flug über den Pazifik hatte ich wenigstens einen netten Brasilianer als Sitznachbarn, der so wie ich im Flieger nicht schlafen konnte. So plauderten wir oder zappten uns durch das Filmprogramm. Mit einem entsprechenden Jetlag kam ich nach insgesamt 26 Stunden Reisezeit nachmittags in Santiago de Chile an. Nach einer Dusche machte ich gleich einen Stadtrundgang, um dann um 20 Uhr fast bewusstlos ins Bett zu fallen. 
 Hier ist es wärmer als in Sydney, aber nicht heiß. Santiago ist eher enttäuschend, entweder weil ich noch so von Sydney verzaubert bin oder weil ich schon ziemlich ferngesteuert war, aber ich konnte dem, was ich sah, wenig abgewinnen. Eine große, laute, überfüllte, eher schmutzige Stadt mit Wohnsilos im Stil der 60er/70er-Jahre und ziemlich altmodischen Geschäften. Die Kleidung, die hier verkauft wird sieht man bei uns gerade noch am Kirtag. Die schönsten Bauwerke sind die riesige Kathedrale und der Regierungspalast.






Donnerstag, 22. September 2011

Letzte Tage in Sydney

Sydney hat wahrlich mehr zu bieten als nur Opera House und Harbour Bridge. Aber dazu muss man sich Zeit nehmen und die hatte ich die letzten Tage. Nach einem Fußmarsch über die Harbour Bridge, der für eine Strecke 25 Minuten dauert, fuhr ich mit der U-Bahn wieder zurück, da es sehr stürmisch war und ich manchmal glaubte, es weht mir alles davon.

 Etwas außerhalb liegt der Koalapark, wo man die typisch australische Tierwelt aus nächster Nähe betrachten kann. Natürlich musste ich auch die Koalas und Kängurus streicheln! Aber es gab hier auch Tiere, von denen ich noch nie zuvor gehört habe.




In Newtown ist die alternative Szene zu Hause, viele Vintage-Boutiquen, Antiquitäten und äußerst internationales Publikum. Die Hausfassaden stammen aus dem späten 19. Jahrhundert.


Für die letzten drei Nächte musste ich das Quartier wechseln und wohne jetzt in Kings Cross, ein etwas berüchtigtes Viertel, aber sehr abwechslungsreich und lebhaft. Heute war ich noch in der Art Gallery, wo man sowohl Aborigines-Kunst als auch moderne australische und europäische Kunstwerke bewundern kann. Im Wooloomooloo Bay habe ich eine nette italienische Bar gefunden, in der ich ins Internet kann, daher nun mein Stammlokal. Hier habe ich mich auch mit Gareth und Emilie zu einem Abschiedsumtrunk getroffen und heute treffe ich noch Yoke, die ich in Ubud, Bali, kennengelernt habe. Morgen früh heißt es um 4 Uhr ab zum Flughafen. Melde mich dann wieder aus Chile.